Diese Strategien wenden Jobsuchende bei der Bewerbung an

Laut einer aktuellen Studie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie setzen immer mehr Jobsuchende gezielte Strategien ein, um ihre Chancen im Bewerbungsprozess zu verbessern. Doch wie sinnvoll ist es, Hobbys zu erfinden und Vorstellungsgespräche mit Freunden oder Verwandten zu üben? Und gibt es Strategien, die tatsächlich zum Erfolg führen?

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Strategisches Denken im Bewerbungsprozess ist vor allem bei Jobsuchenden verbreitet, die innerhalb der letzten fünf Jahre aktiv nach einer neuen Anstellung gesucht haben. Und das hat auch seinen Grund: Während gute Referenzen und eine professionelle Bewerbung vor 20 Jahren noch die Tür zur Anstellung auf Lebenszeit öffnen konnten, sind die Karrieremodelle heutzutage vielschichtiger und die Ansprüche an Fähigkeiten und Entwicklungspotential der Bewerberinnen und Bewerber entsprechend höher. Häufig werden neben den fachlichen Fähigkeiten umfangreiche „Soft Skills“ sowie zahlreiche Fort- und Weiterbildungen erwartet.

Laut einer Umfrage mit rund 1000 Bewerberinnen und Bewerbern, welche jüngst in der Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie veröffentlicht wurde, setzen die meisten Jobsuchenden heute auf bestimmte Strategien, um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden und aus der Masse an Bewerbungen herauszustechen.

Die Strategien – und was sie bringen

Bei rund 80 Bewerbungen, die auf eine offene Position kommen, erscheint es nur logisch, die eigenen Unterlagen soweit wie möglich zu optimieren. Unter den Möglichkeiten, die Chancen im Auswahlprozess zu verbessern, sind folgende Strategien bei Bewerberinnen und Bewerbern besonders beliebt:

1. „Faking“: Von erfundenen Auslandsaufenthalten bis hin zu übertriebenen Soft Skills: Laut Personalauswahlforschung gaukelt rund die Hälfte aller Jobsuchenden zwischen 17 und 66 dem Personaler nicht vorhandene Fähigkeiten vor. Fast alle BewerberInnen zählen im Auswahlgespräch sogar Stärken auf, die speziell auf die Position oder das Unternehmen gemünzt sind – unabhängig davon, ob sie sie tatsächlich besitzen.

Wer eine Eignung vorgaukelt, wird spätestens im Auswahlgespräch entlarvt. Sinnvoller ist es, die tatsächlichen Qualifikationen ins bestmögliche Licht zu rücken und möglicherweise fehlende Kompetenzen durch ein aussagekräftiges Motivationsschreiben und ein selbstsicheres Auftreten auszugleichen.

2. Recherche auf der Unternehmenswebsite: Eine Strategie, die in den letzten Jahren stark zugenommen hat, ist die Recherche über das Unternehmen, etwaige Expansionspläne, internationale Partnerschaften usw. via Internet.

Profunde Kenntnisse über das Unternehmen zeigen bereits im Anschreiben, dass der Bewerber nicht nur Interesse an der ausgeschriebenen Position hat, sondern auch über eine hohe Einsatzbereitschaft verfügt. Darüber hinaus ist die Recherche im Vorfeld eine gute Vorbereitung auf ein etwaiges späteres Vorstellungsgespräch.

3. Vorbereitende Lektüre: Laut Studie bereitet sich gut die Hälfte aller Jobsuchenden mit entsprechender Lektüre auf ein Assessment Center vor. Tendenz steigend.

Vorbereitende Lektüren können sinnvoll sein, um der Stresssituation im Assessment Center möglichst entspannt zu begegnen. Entsprechende Bücher sind häufig mit Übungsaufgaben ausgestattet und geben wertvolle Tipps, welche Informationen im Vorfeld eingeholt werden sollten und welches Verhalten in der konkreten Situation sinnvoll ist.

4. Vorstellungsgespräch üben: Gut die Hälfte aller Bewerberinnen und Bewerber nutzt das Gespräch mit Freunden oder Bekannten, um sich auf das Auswahlgespräch vorzubereiten.

Grundsätzlich kann es hilfreich sein, das Vorstellungsgespräch in einer konkreten Gesprächssituation zu „üben“. Auf diese Weise können Bewerber überprüfen, ob sie alle notwendigen Informationen abrufbereit haben und wie sie spontan auf überraschende Fragen reagieren. Es empfiehlt sich allerdings, für diese Strategie Bekannte auszuwählen, die selbst bereits Erfahrung in entsprechenden Situationen gesammelt haben.

5. Mustervorlagen nutzen: Der erste Eindruck zählt. Aus diesem Grund nutzen viele Jobsuchende Mustervorlagen für Anschreiben und Lebenslauf.

Es ist nichts dagegen einzuwenden, ein vorgefertigtes Layout zu verwenden. Wichtig ist jedoch, dass das Anschreiben/ Motivationsschreiben individuell bleibt und die Bewerbung nicht in ein 08/15-Schreiben à la „Sehr geehrte Damen und Herren, […]“ abdriftet.

6. Lücken füllen: Viele Bewerber neigen dazu, jede noch so kleine Lücke im digitalen Lebenslauf mit erfundenen Auslandsaufenthalten und wichtigen Aktivitäten auszuschmücken.

Es versteht sich von selbst, dass für Lücken von mehreren Monaten entsprechende Erklärungen vorliegen müssen. Manchmal kann es sinnvoll sein, diese bereits im Anschreiben vorwegzunehmen. Kleinere Beschäftigungspausen sind, entgegen der landläufigen Meinung, aus Personalersicht kein Beinbruch. Auf jeden Fall sollte davon abgesehen werden, den Lebenslauf unnötig „aufzublasen“. Falls der Gesprächspartner Fragen hat, wird er sie stellen.

7. Bewerbungsfoto: Obgleich es Arbeitgebern seit 2006 untersagt ist, ein Bewerbungsfoto anzufordern, verzichten rund 90 % aller Jobsuchenden auf die gesichtslose Bewerbung.

Umfrageergebnisse zeigen, dass das Fehlen eines Fotos aus Sicht von Personalern tatsächlich häufig negativ bewertet wird. Ein Bewerbungsfoto kann die Chancen im Auswahlprozess also tatsächlich erhöhen – allerdings nur, wenn es sich um ein Bewerbungsportrait vom Fachmann handelt.

Strategisch denken – aber bitte an der richtigen Stelle

Während aufgeblasene Lebensläufe und erfundene Soft Skills die Aussichten auf Erfolg eher verringern, gibt es bestimmte Strategien, die nicht nur die Chancen im konkreten Auswahlprozess verbessern, sondern Bewerberinnen und Bewerbern sogar dabei helfen können, zukünftig mit größerer Effizienz an die Jobsuche heranzugehen:

1. Selbstanalyse: Unter den „Tools“, die Jobsuchenden zur Verfügung stehen, ist die ehrliche Selbstanalyse das Wichtigste. Schließlich muss der Bewerber zunächst einmal selbst wissen, wo er steht, bevor er eine faire Einschätzung vonseiten des Personalers erwarten kann. Jobsuchende sollten sich daher zu allererst folgende Fragen stellen: Was sind meine Fähigkeiten? Welche Prioritäten habe ich? Was sind meine Ziele?

Idealerweise werden diese Fragen so konkret wie möglich beantwortet und bei jeder interessanten Stellenausschreibung zurate gezogen.

2. Eigeninitiative: Wer sich nur auf ausgeschriebene Stellen bewirbt, muss sich gegen eine Vielzahl anderer Zuschriften durchsetzen. Liegen jedoch bereits Wünsche für einen konkreten Arbeitgeber oder gar eine konkrete Position vor, sollte eine Initiativbewerbung erwogen werden.

Häufig geben Informationen auf der Unternehmenswebsite Aufschluss darüber, ob in der nächsten Zeit personelle Veränderungen (beispielsweise aufgrund von Expansion oder Standortwechsel) geplant ist. Ist dies der Fall, sollten Jobsuchende die Chance nutzen und dem Unternehmen ihre Arbeitskraft anbieten. Wichtig ist, dass die Initiativbewerbung möglichst konkret und an den richtigen Ansprechpartner gerichtet ist.

3. Social Media: Nicht nur für Unternehmen, auch für Bewerber wird Social Media immer wichtiger. Das bedeutet nicht nur, dass Jobsuchende via Twitter, Linkedin oder Facebook nach entsprechenden Angeboten suchen, sondern die sozialen Netzwerke bieten auch die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden.

Bewerber können via Social Media und Karriere- oder Firmen-Fanseiten nicht nur erste Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern knüpfen, sondern sich auch selbst im Netz profilieren, indem sie beispielsweise einen Blog mit fachlich relevanten Inhalten – oder auch einen Bewerberblog – betreiben.

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